Das letzte Treffen der Stiftung am 25. Februar in all seinen Aspekten zu beschreiben, würde mich überfordern. In den Gesprächsrunden und auch in den Pausen wurden zahlreiche Intentionen, Sichtweisen, Beschwerden und Hoffnungen ausgesprochen, die sich nicht so leicht zusammenfassen lassen. Klar war allerdings – und vielleicht ist diese Feststellung im Moment die Wichtigste – dass die etwa dreißig Teilnehmer/innen voller Tatendrang dabei waren. Happy oder gerade nicht happy, gelassen oder ungeduldig, voller Hoffnung oder ein bisschen verzweifelt.
Startpunkt des Treffens war der Film „Berufswege“ von Caroline Schwarz und Joshua Conens. In dieser Film wird an Hand dreier Beispiele gezeigt, wie schräg, ungewöhnlich und unerwartet die Berufsfindung, oder vielleicht besser gesagt „die Tätigkeitsfindung“ in der heutigen Zeit verlaufen kann, manchmal auch verlaufen muss. Wenn ein Mensch vorhat, das zu tun, was sie oder er in dieser Welt wirklich machen WILL, sieht der Weg zum Ziel manchmal abenteuerlich aus. „Abenteuer“ kommt vom Lateinischen „Adventura“, es lässt sich treffend übersetzen mit „Was auf uns zukommt“.
Die Arbeitsfrage des Treffens lautete: „Welche Bedeutung hat der Film für die Zukunft der Stiftung?“ In den Beiträgen in den Runden und den Pausen schienen sich diesbezüglich drei Ebenen herauszukristallisieren.
Die erste Ebene betrifft die Klärung einiger Kernbegriffe, die in unserem Denken über „berufliche“ Tätigkeiten eine entscheidende Rolle spielen. Was bedeutet eigentlich „Arbeit“? Was ist eigentlich „Geld“? Wie beziehen sich die Begriffe „Person“ und „Projekt“ auf einander? Auf diese Ebene, so wurde deutlich, bedarf es künftig weitere Diskussionen über die unterschiedlichen Auffassungen.
Die zweite Ebene könnte mit dem Begriff „Raum zur Begegnung“ angedeutet werden. Viele der Anwesenden hatten das Bedürfnis von ihren (manchmal ziemlich ungewöhnlichen) persönlichen beruflichen Anliegen zu erzählen sowie von den Vorhaben und Initiativen der anderen zu erfahren. Schon erstaunlich war die Tatsache, dass mit den dreißig Teilnehmern/innen auch eine Reihe Initiativen im Raum standen. Oder eben gerade nicht, weil wir nicht genug Zeit hatten, uns über alle auszutauschen.
Die dritte Ebene ist am schwierigsten zu beschreiben, scheint mir allerdings die Entscheidende zu sein. Das Verlangen, die Erfahrungen der anderen zuteilen, hatte die Qualität des Mitmachen-Wollens, des Ermöglichen-Wollens, des Gestalten-Wollens. Alle wollten zum Erfolg der anderen beitragen. Die eigentliche Kraft des Treffens lag zwar noch halbwegs verborgen, wie in einem Schlummern, in einem aufwachenden Frühlingspotenzial. Auf dieser Ebene könnte von einer möglichen „Initiativ-Gemeinschaft“ gesprochen werden.
In meiner Sprache bedeutet dies, dass eine Kultur des Herzens im Entstehen war. Mit der Entfaltung dieser Kultur des Herzens – ein Begriff des holländischen Anthroposophen Bernard Lievegoed – gehen manchmal dunkle Phänomene einher: Dort wo Licht erscheint, entstehen sofort Schatten. Sie zu negieren ist gerade nicht hilfreich, denn sie können paradoxerweise helfen, das Licht erst wahrzunehmen. Im Rückblick scheint mir einer der Schatten zu sein, dass wir (die Gruppe) an bestimmten Erwartungen festhielten. Zum Beispiel dem Bedürfnis, ein „forschendes“ Gespräch zu führen. Oder einen Raum der Begegnung zu öffnen. Oder eben ins Handeln zu kommen.
In der Zukunft wird die Gestaltung der Treffen der Zukunftsstiftung, sollen sie wirklich zu „Orte des Erwachens“ werden, entscheidend sein. Forschung, Begegnung und Handeln sind nicht austauschbar, sie werden alle drei gebraucht, können sich allerdings nur dann entfalten, wenn sie nicht gegeneinander ankämpfen müssen. Ich lebe deswegen im Moment mit der Frage, wie weitere Treffen aussehen könnten, wie sie in Raum und Zeit so gestaltet werden, dass Forschung, Begegnung und Handeln in einer harmonischen Beziehung zueinander treten können.
Ich stelle mir (sagen wir: zweimal im Jahr) Treffen vor zwischen Menschen, die etwas vorhaben, was in ihren Herzen begründet ist, und Menschen, die vorhaben, anderen Menschen diesbezüglich zu unterstützen. Dabei ist egal in welcher Kategorie die jeweiligen Vorhaben sich bewegen: Bildung, Entwicklungshilfe, Landwirtschaft, Kultur, Wirtschaft… Die Treffen beginnen mit einer „Begegnung“. Frei und ausgiebig wird von den Vorhaben erzählt, die Zuhörer fragen nach, Gespräche entstehen in der großen Runde oder auch in kleineren Gruppen.
Anschließend wird in einer zweiten Gesprächseinheit ein aktuelles Thema angegangen, beispielsweise die Frage: Was macht eigentlich den Begriff Arbeit aus? Oder: Wie ist die Begegnung als Quelle der Zukunft zu verstehen? Oder: Wie schauen wir so auf Schattenseiten, dass sie uns helfen unsere Vorhaben besser zu verstehen? Diese „forschende“ Gespräche werden moderiert, dokumentiert und veröffentlicht (als Text, als Video, usw.).
Eine dritte Einheit ist eine Handlungseinheit. Dort geht es schließlich um die Frage, wie die konkreten Vorhaben unterstützt werden können, was sie brauchen, um sich weiter entfalten zu können. An dieser Stelle geht es darum, Ideen, Fähigkeiten und, falls nötig, finanzielle Mitteln einzubringen. Auf diese Art und Weise könnte tatsächlich eine „Initiativ-Gemeinschaft“ entstehen, die offen ist für Menschen, die aus ihren Herzen die Zukunft unserer Gesellschaft mit gestalten wollen.
So weit meine Vorstellungen. Ich bin gespannt zu erfahren, welche Vorstellungen ihr habt.
Herzlich,
Jelle van der Meulen, Köln





